Mein schönstes Ferienerlebnis


In vielen Paarbeziehungen ist es ja so, dass der eine Partner eher so der abenteuerliche Typ ist, der andere mehr so der Sicherheitschef. So auch in meiner. Während meine Frau 30 Sekunden vor der planmäßigen Abfahrt des ICE nach Amsterdam gemächlich auf den Bahnsteig schlendert, um dann noch mal eben wegzugehen, um eine Cola Zero zu kaufen, gehöre ich eher der Fraktion an, die 20 Minuten vorher am Gleis steht. Und verdammt nochmal da auch bleibt, bis der 2 Stunden verspätete Zug kommt. Sie ist diejenige, die einen Abhang hinunter klettert, um nachzusehen, ob unten ein versteckter Strand ist. Ich derjenige, der darauf hinweist, dass unklar ist, wie man wieder rauf kommt. Und so weiter und so weiter. Kurz: Sie ist die Maja, ich bin der Willi. Sie ist Ernie, ich Bert. Vielleicht kennen Sie diese Situationen aus Ihrer eigenen Beziehung und wissen: Manchmal laufen die Diskussionen, um das, was zu tun ist bzw. wie es zu tun ist, nicht ganz friktionslos ab. Manchmal hingegen erfüllen sie einen mit tiefer Glückseligkeit. Zum Beispiel – aber lesen Sie selbst:

Kürzlich waren wir für 10 Tage in Holland. Dort hatten wir Fahrräder geliehen und einen Fahrradanhänger, um die Kinder darin zu deponieren und doch mobil zu bleiben. Am letzten Tag des Urlaubs mussten wir den ganzen Krempel wieder wegbringen. Meine Frau entwickelte sogleich folgenden Plan: „Lass uns den Kinderwagen mitnehmen, ich kann ihn ja die drei Kilometer zum Laden vom Rad aus mit einer Hand schieben, dann können wir ihn für den Rückweg vom Fahrradladen nutzen, um die Kinder darin zu deponieren.“ Wie jeder gute Partner wog ich diesen kreativen Vorschlag kurz ab, bevor ich zu folgender Entgegnung anhob: „Bist du völlig durchgeknallt? Das klappt nie und ist auch schweinegefährlich.“ Es folgten noch ein paar Sätze und Thesen beiderseits zum Themen; unterbrochen von mehreren Sentenzen angespannten Schweigens und schließlich machten wir uns auf den Weg. Meine Frau, ich, die Kinder im Anhänger und der Kinderwagen an der Seite meiner Frau. Ich muss zugeben, sie machte es nicht schlecht. Es sah nicht wirklich sicher aus und als uns die ersten Autos auf den nicht eben breiten holländischen Feldwegen entgegen kamen wurde es eng – aber meine Frau blieb im Sattel und war stets Herrin der Lage.

UND DANN KAM DIE 90 GRAD KURVE!

Und meine Frau legte sich fast auf die Nase. Sie gab einen panischen Laut von sich und ließ den Kinderwagen los, der – nicht faul – weiter rollte und begleitet von einem „NEIN!“ meiner Frau und einem solidarischen „FUCK!“ meinerseits kopfstützenüber in eine Gracht kippte. Mit fieser Entengrütze drin und drauf.

Es war toll! Wir kamen nicht dran. Der Wagen lag zu tief und die Böschung war zu rutschig und abschüssig. Meine Frau fragte mich mehrfach, ob ich jetzt zufrieden sei. Was ich natürlich vehement verneinte. Auch als sie ihre Hose auszog und in der Unterbutze in die Gracht stieg, um den Wagen so anzuheben, dass ich ihn raus ziehen konnte – und ein feixender Traktorfahrer passierte, blieb ich stumm und genoss den Moment. Und auch heute, als sie den halben Morgen damit verbrachte, die modrigen Polster des Wagens zu waschen, bot ich nur freundlich meine Hilfe an und guckte ernst. Das Leben ist schön.


2 Kommentare on “Mein schönstes Ferienerlebnis”

  1. maresa sagt:

    Hahaha, habe diesen Text durch Zufall im Internet gefunden. Herrlich, you made my day 🙂

  2. Christian Kotzyba sagt:

    Herrlich wenn man Recht behält! Zumindest wenn es sich um solche, mit einem zwinkernden Auge zu betrachtende, Situationen handelt.


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