Der Flüchtling von gegenüber

Seit drei Wochen wohnt gegenüber ein junger Mann. Der Mann sieht nordafrikanisch aus, vielleicht auch afghanisch. Kann man aus der Entfernung nicht so gut sagen. Wenn man das überhaupt sagen kann. Offenbar aber ein Flüchtling. Die Nachbarschaft teilt die Vermutung.

Das Licht in der Wohnung brennt oft. Am Tag und in der Nacht. Vielleicht gegen die Angst, gegen die Erinnerung. Die Wohnung ist fast leer. Weiße Wände, keine Vorhänge, weißes Licht.

Der Mann ist immer allein, manchmal riecht er an seiner Kleidung, bevor er sie anzieht. Keine Waschmaschine vermutlich. Wie auch.

Man muss da mal rüber gehen und Hallo sagen, ein kleines Zeichen geben, dass nicht alle Deutschen Nazischweine sind. Also los, rüber. Die Achtjährige und ich. Blume im Topf, Umschlag mit einem  Fuffi in der Tasche, falls das in der Situation dann passt, ohne aufdringlich oder gönnerhaft zu wirken. Einfach  klingeln und gucken was passiert. Vielleicht kann man helfen, mit ein alten paar Möbeln oder so.

Um es kurz zu machen: Der ägyptische Medizin-Student („No. I am not a refugee, but thank you for the gesture.“) hat sich über unseren Besuch gefreut. Wir haben ein bisschen rumgestammelt und gelacht. Die Blume haben wir da gelassen. („Anyway, welcome in the hood.“) Den Fuffi nicht. Einem Flüchtling haben wir nicht helfen können. Aber vielleicht brauchen wir ja später einmal einen guten Arzt.

 

 

 

 

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