Der Flüchtling von gegenüber

Seit drei Wochen wohnt gegenüber ein junger Mann. Der Mann sieht nordafrikanisch aus, vielleicht auch afghanisch. Kann man aus der Entfernung nicht so gut sagen. Wenn man das überhaupt sagen kann. Offenbar aber ein Flüchtling. Die Nachbarschaft teilt die Vermutung.

Das Licht in der Wohnung brennt oft. Am Tag und in der Nacht. Vielleicht gegen die Angst, gegen die Erinnerung. Die Wohnung ist fast leer. Weiße Wände, keine Vorhänge, weißes Licht.

Der Mann ist immer allein, manchmal riecht er an seiner Kleidung, bevor er sie anzieht. Keine Waschmaschine vermutlich. Wie auch.

Man muss da mal rüber gehen und Hallo sagen, ein kleines Zeichen geben, dass nicht alle Deutschen Nazischweine sind. Also los, rüber. Die Achtjährige und ich. Blume im Topf, Umschlag mit einem  Fuffi in der Tasche, falls das in der Situation dann passt, ohne aufdringlich oder gönnerhaft zu wirken. Einfach  klingeln und gucken was passiert. Vielleicht kann man helfen, mit ein alten paar Möbeln oder so.

Um es kurz zu machen: Der ägyptische Medizin-Student („No. I am not a refugee, but thank you for the gesture.“) hat sich über unseren Besuch gefreut. Wir haben ein bisschen rumgestammelt und gelacht. Die Blume haben wir da gelassen. („Anyway, welcome in the hood.“) Den Fuffi nicht. Einem Flüchtling haben wir nicht helfen können. Aber vielleicht brauchen wir ja später einmal einen guten Arzt.

 

 

 

 


Heinz

Mitte der 80-er hatte ich einen Schülerjob. Prospekte austragen. Dazu musste ich immer mit einem LKW-Fahrer, Heinz, zusammen die Ladung holen. Heinz war ein netter, naja mittelnetter Mann. Ab und zu sprachen wir über das, was so in der Welt passierte. Meist ausgehend von den Artikeln aus der BILD, die er gern während der Fahrt las. Politisch stand Heinz 2-3 Meter rechts vom Stammtisch und zwar stramm. Nie habe ich seinen Standardsatz vergessen, mit dem er jeder aufkeimenden Diskussion Einhalt gebot: „Derek, da sind wir unterschiedlicher Meinung. Da hat es keinen Sinn, dass wir darüber diskutieren.“ Damals und viele Jahre später habe ich immer wieder daran zurückgedacht und gelacht. So absurd und paradox kam mir dieser Satz vor. Heute denke ich: Vielleicht war Heinz ein sehr kluger Mann. Zumindest in dieser Hinsicht.


Man hat mich ausgeschlossen.

Das hat doch nichts mehr mit Demokratie zu tun, wenn man aus dem Brautspiel-Organisationsteam ausgeschlossen wird, nur weil man vehement für seine Ideen eintritt. Dass die zukünftige Braut auf Knien rutschend mit verbundenen Augen ihren Mann am Geschmack seines Penis´(Penises? Penisses? Penum? Peneä?) erkennen muss, wäre doch eine Riesengaudi geworden. Ich jedenfalls, ich hätte in erster Reihe gestanden. Jetzt kommt bestimmt wieder Sockentheater. Mann ey.

PS: Der Beitrag trägt eigentlich den Titel „Brautspiele sind kein Penislecken“, aber dann hätte man den Text weglassen können. Und den hatte ich schon geschrieben.


Schweine

Habe in der Kneipe angerufen, ob die meine teuren Kopfhörer gefunden haben. Der Typ hat gesagt, dass nicht. Ich glaube dem kein Wort. Der war total komisch am Telefon. Schuldig irgendwie. Und da ändert auch der Umstand nix dran, dass ich die Kopfhörer inzwischen in meiner Jackentasche gefunden habe. Alles Schweine!


Ach, die Frau Dings.

„Ach, guten Tag.“
„Hallo, guten Tag.“
„Das ist ja schön.“
„Das ist ja nett.“
„Wir haben uns ja ewig nicht.“
„Aber wirklich.“
„Wusste gar nicht, dass Sie…“

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Geht bei mir nicht.

[…]
„Was ist mit dem 17.?“
„Geht.“ „Geht.“ „Geht bei mir nicht.“ „Bei mir auch nicht.“ „Geht.“ „Ja, aber geht bei Battermann nicht.“ „Ach so.“
„18.?“
„Geht.“ „Geht.“ „Geht nicht. Da ist München.“ „Stimmt.“ „So früh dieses Jahr?“ „Ja.“ „Das war letztes Jahr auch so früh.“
„Oder lass´doch da treffen.“ „Ich fahre da dieses Jahr nicht hin.“ „Ich auch nicht.“ „Nee.“ „Nope.“
„Dann geht der 18. doch?“ „Nee, geht bei mir nicht.“ „Same here.“ „Da ist München.“
„Was ist mit der 23. KW?“
„Welcher Tag?“ „Bei mir komplett dicht.“ „Bei mir geht der 22.“ „Nee. Geht nicht.“ „Dicht.“
„24. KW?“ „Geht bei mir nicht.“ „Da ist Gruppentreffen.“ „Stimmt.“
„Was ist mit dem 3.?“ „Dritter was?“ „Dritter Vierter.“ „Geht.“ „Dritter Vierter was?“ „2013.“ „Geht.“ „2014 geht.“ „Nee. Geht bei mir nicht“ „Bei mir auch nicht.“ „Beide nicht.“
„Herr Dr. Timmerich, geht bei Ihnen der  3.?“ „Ja.“ „Aber geht bei mir nicht.“ „Da sind Schulferien bei uns.“ „Bei uns auch.“ „Früh dieses Jahr.“ „Nächstes!“ „Wie?“ „Übernächstes auch!“. „Ja, die sind immer sehr früh.“
„Was ist mit Oktober?“ „Geht.“ „3. ist Feiertag.“ „Bei uns auch.“ „Weiß ich noch nicht. Hab ich was Pending.“ „Wie?“ „Einen Termin. Penden.“ „Ach so.“
„November?“ „Geht.“ „Bei mir nicht.“ „Zweite Hälfte geht.“ „Dr. Battermann?“ „Nee. Weihnachtsfeier. Und Betriebsausflug.“
„Dezember?“ „Geht.“ „Sieht gut aus.“ „Da haben wir Jahresabschluss.“ „Ich glaub wir auch.“ „Das ist doch am 15. durch.“ „Spätestens bei uns am 14. durch. Spätestens.“
„22.?“ „Geht.“ „Geht.“ „2012 oder 2013?“ „Geht beides nicht.“
„23.? 24.?“ „24. geht.“ „Ja.“ „Ja.“ „Ja.“
„Minigolf um 15.00 Uhr?“ „Okay.“ „Aber bei uns.“ „Ja.“ „Alles klar.“ „Bene.“
„Dann am 24. auf der Bahn.“ „Ich fliege.“ „Ich komme mit dem Zug, da kann man was arbeiten.“ „Wenn er pünktlich kommt.“
„2012 oder 2013?“
[…]


Abrechnung mit den Melonendrehern

Diesen effekthaschenden Melonendrehern und -klopfern zeigt man am besten, wo der Hammer im Supermarkt hängt, wenn man, direkt neben ihnen stehend demonstriert, dass ihre im Urlaub erlernte Technik inzwischen nicht nur Allgemeingut ist, sondern dass man selbst sie – in aller Bescheidenheit – durchaus auch an weitaus komplexeren Gegenständen, wie einer Cornflakespackung, anzuwenden versteht.