Heller die Fackeln nie leuchten

Jeder hat ja so einen jung gebliebenen Mitvierziger im Büro. Gitarrespieler, ehemaliger Bandleader sogar – nichts Bekanntes, aber sie hätten was werden können, Motorradnarr, Weinvirtuose, Kochkumpel, Augenzwinkerer, Cordjackenträger, totaler Technikfreak, Grillmeister, Aufguss-Wedler, Faustdick-hinter-den-Ohren-Haber. Und man fragt sich – und ich frage mich das wirklich, also streng und rein wissenschaftlich, wer um alles in der Welt hat diesen armen, aber hell leuchtenden Fackeln signalisiert, sie seien Gottes Geschenk, nicht nur an die Frauen, sondern auch an die gesamte Kollegenschaft. Wer ermutigte sie, stets einen kessen Spruch, ein letztes Wort im Munde zu führen, ein Grinsen, ein Schnalzen und Schnatzen, einen Pfiff oder noch schlimmer: zwei? Wer ermutigte sie, jeden in der Umkleidekabine aufgeschnappten Spruch auch ein 40. mal noch in die irgendwie dazu passende Situation oder ins Telefon zu plärren. Wer?


Ich hatte Sie auf dem Display

„Blochmann.“
„Becker, guten Tag, Sie hatten mich angerufen.“
„Nein.“
„Doch.“
„Nein.“
„Ich habe aber ihre Nummer auf meinem Display.“
„Ich habe Sie aber nicht angerufen.“
„Vielleicht jemand anders bei Ihnen im Haus?“
„Das kann natürlich sein.“
„Naja, sonst wäre wohl kaum Ihre Nummer auf meinem Display.“
„Um was geht es denn?“
„Das weiß ich doch nicht. Sie haben ja bei mir angerufen.“
„Von wo rufen Sie noch mal an?“
„Firma Schmidt, Blochmann.“
„Sagt mir nix. Was machen Sie denn?“
„Drucken.“
„Naja, kann schon sein, dass das einer von uns war.“
„Was machen Sie denn?“
„Alles. Das ganze Programm: online und offline.
„Können Sie mal rumfragen?“
„Wie?“
„Ob jemand von Ihnen bei uns angerufen hat.“
„Ja, aber erst nach der Mittagspause.“
„Rufen Sie dann eben durch.“
„Mach ich. Ihre Nummer habe ich ja im Display.“
„Vielleicht geht auch ein Kollege ran. Bin in ein paar Meetings nachher.“
„Egal. Ich frage mich dann durch. Irgendwer wird mir schon weiterhelfen können.“
„Vielen Dank. Tschüss“
„Auf Wiederhören.“